Ehebruch - eine Meinung.

Ehebruch ist heute allgegenwärtig. Nahezu jeder Zweite hat in seiner Ehe oder seiner Partnerschaft schon in fremden Betten geschlafen. Der Seitensprung hat Hochkonjunktur, Ehebruch wird zum Kavaliersdelikt - wenn auch nicht für die Betrogenen. Wurde Ehebruch früher zwanghaft geleugnet, kursieren heute Studien, in denen ganz offen über Vorkommen, Gründe und Häufigkeit des Ehebruchs Zeugnis abgelegt wird.

Was ist Ehebruch überhaupt?

Wissenschaftlich gesehen ist die Definition von Ehebruch das Eingehen gesellschaftlich nicht geduldeter Beziehungen außerhalb der Ehe. Obwohl gesellschaftlich die Monogamie als Norm gelten sollte und als Idealbild gilt, kommt Ehebruch doch in nahezu allen Gesellschaftformen vor. Wie der Ehebruch geahndet wird, unterscheidet sich innerhalb der Gesellschaftformen jedoch teils erheblich. Während Gesellschaftformen, in denen Frauen "das Sagen haben", Ehebruch häufig nicht mit all zu scharfen Sanktionen belegen, sind schwere Strafen bei Ehebruch gerade für Frauen in patriarchalischen Gesellschaften eher die Regel als die Ausnahme.

Ehebruch unter rechtlicher Betrachtung

Inzwischen ist Ehebruch kein strafrechtlich relevantes Vergehen mehr, auch für eine Scheidung ist die Angabe des Grundes "Ehebruch" nicht mehr ausreichend. Das Verschuldensprinzip, nach dem dem Ehebruch maßgebliche Bedeutung bei einer Scheidung zugekommen ist, wurde in Deutschland in den siebziger Jahren abgeschafft. Ehebruch wird heute in erster Linie zivilrechtlich relevant, gilt als unerlaubte Handlung und als Verletzung der aus der Ehe folgenden Verpflichtung zur ehelichen Lebensgemeinschaft. Unter Umständen ist es möglich, dass Ehebruch durchaus noch weitreichende Konsequenzen hat - zum Beispiel den möglichen Verlust von Unterhaltsansprüchen.

Das Recht, wie im alten Athen, seine Ehefrau nach dem durch sie begangenen Ehebruch zu töten und so auch mit seinem Nebenbuhler zu verfahren, haben heutige Männer natürlich nicht mehr. Auch die aus biblischen Zeiten gern zitierte Steinigung nach einem entdeckten Ehebruch ist - glücklicherweise - heute in den meisten modernen Gesellschaften bis auf wenige Ausnahmen nicht mehr üblich. Es scheint, als würden die Gesetzgebungen der modernen Welt allmählich akzeptieren, dass sie nicht ändern können, was nicht zu ändern ist...

Soweit die wissenschaftlichen und rechtlichen Aspekte des Ehebruchs.

Wer sich mit dem Thema Ehebruch befasst, stellt zwangsläufig fest, dass er auf eine lange Geschichte teils drakonischer Strafen zurückblickt. Schon David (der mit der Schleuder) konnte es sich nicht verkneifen, mit einer verheirateten Frau anzubändeln. Der Versuch, dem eigentlichen Ehemann das sich ankündigende Kuckuckskind unterzuschieben, misslang jedoch. Letztlich löste David das Problem elegant: er stellte den Nebenbuhler in die vorderste Front seiner Truppen, wo es diesen prompt bei nächstbester Gelegenheit erwischte. Dem Kind nutzte das nicht viel, es starb nach kurzer Zeit. Was David noch zu Hilfe kam, war der Umstand, dass es sich um den Ehemann seiner Eroberung um einen Hethiter handelte, einen Fremden - und für diese war der im Regelfall mit Steinigung zu ahndende Ehebruch nicht strafbar. Glück für David, der seine jetzt verwitwete Affäre heiratet und mit ihr - diesmal ohne Ehebruch - Salomo zeugt, Davids Thronerben.

Was die Geschichte aber belegt: schon zu biblischen Zeiten war Ehebruch ein schweres Vergehen und wurde mitunter mit dem Tode bestraft. Rund um den Globus waren schwere Strafen für Ehebruch gang und gäbe - aber warum?

Wäre das Bild als "Krone der Schöpfung", dass der Mensch so lange von sich selbst hatte - und heute noch hat - zutreffend, dann wäre er wohl auch und gerade moralisch so integer, dass Ehebruch eigentlich gar nicht vorkommen dürfte - und wenn, dann nur in absoluten Ausnahmefällen. Handelte es sich aber bei den Fällen von Ehebruch aber tatsächlich um solche seltenen Ausnahmen, dann hätte sich womöglich kaum jemand - außer den durch den Ehebruch direkt Betroffenen - darum gekümmert. Denn es dürfte früher bei den Herrschenden nicht anders ausgesehen haben als heute: um Probleme (gerade um Probleme anderer) wird sich dann gekümmert, wenn sie ein solches Ausmaß angenommen haben, dass sie nicht mehr übersehen werden können.

Nun ließe sich einwenden, dass das Verbot des Ehebruchs ja gern als religiös motiviert dargestellt wird, die Order also "von ganz oben" kommt - nur auch dann hätte es dafür irgendeinen Grund gegeben. Viele andere Dinge, die auch nicht besser sind als Ehebruch (wie beispielsweise die für Ehebruch oft praktizierte Steinigung) waren schließlich nicht verboten oder wurden so lange argumentativ behandelt, bis sie doch wieder erlaubt waren. Warum also das Verbot des Ehebruchs?

Natürlich, eben weil es nicht die Ausnahme war! Sondern weil es dauernd passierte, immer wieder vorkam! Und weil die Betrogenen lautstark nach Vergeltung für die erlittene Schmach schrien! Weil die Ehe eben nicht die erwünschte Garantie für Treue ist und nie gewesen ist - sondern weil Ehebruch schon immer passierte!

Wenn aber Ehebruch so häufig vorkam, dass er extra verboten wurde, ja wenn nicht einmal die drohende Todesstrafe die Ehebrecher von ihrem Tun abhalten konnte - wie ist er dann zu erklären, wenn nicht dadurch, dass das eine (der Ehebruch) schlicht Ausdruck einer in uns übermächtig werdenden Natur, eines biologischen Triebes ist, dem das andere (das den Ehebruch unter Todesstrafe stellende Gesetz) nichts Adäquates entgegenzustellen hatte? Was nichts anderes bedeutet, als dass der Mensch sich noch so auserwählt fühlen kann, noch so erhaben, so übermächtig, und dass er so wohlklingende Gesetze und Moralvorstellungen formulieren kann wie er will - tief im Innern ist er noch immer der von seinen Trieben beherrschte Höhlenbewohner, der sich nur äußerst mühsam durch von außen vorgegebene Regeln im Zaum halten lässt - und manchmal eben gar nicht.

Millionen Jahre Evolution haben den Menschen geprägt, haben ihm seine Überlebensprogramme geschrieben - wir werden das nicht in ein paar Jahren Zivilisation auslöschen können. Wir werden immer wieder über die Relikte aus alten Zeiten stolpern, in denen das Überleben bei weitem nicht so einfach war wie heute. Zeiten, in denen nur die Stärksten überlebten, und in denen Männer und Frauen einfach das getan haben, was Instinkt und Trieb ihnen vorgaben. Dazu gehörten und gehören nach wie vor auch der Ehebruch und das Fremdgehen. Statistiken zufolge lieben die meisten ihren Partner übrigens trotzdem - auch wenn sie ihm fremdgehen. Trotz Ehebruch wollen die meisten ihren Partner nicht verlassen, nachdem sie in fremden Betten übernachtet haben.

Der Ehebruch folgt schlichtweg alten biologischen Notwendigkeiten und evolutionären Gesetzen. Die Institution "Ehe" ist eine Erfindung des Menschen, nicht der Natur. Auch mit Pille, Kondomen, menschlichen Gesetzen und/oder religiösen Geboten weiß der Urmensch in uns nichts anzufangen. Der weiß nur, dass ein Mann sein Erbgut möglichst weit zu streuen versuchen sollte und dass eine Frau bei der Auswahl des Erbgutspenders nicht unbedingt nur den in Betracht ziehen sollte, der sich als bester Versorger erwiesen hat.

Natürlich sind Ehebruch und Fremdgehen letztlich Betrug, vor allem gemessen an unseren heutigen Ansprüchen - aber sie gehören letztlich dazu.

Aktuelle Forschungen beweisen das immer wieder neu. Wir täten gut daran, zu akzeptieren, dass beim Ehebruch oder Fremdgehen nicht das Verletzen des Partners im Vordergrund steht. Dass die "Täter" selbst manchmal nicht wirklich so richtig wissen, was sie plötzlich hat übereinander herfallen lassen. Dass der Umstand des Ehebruchs, des Fremdgehens als solchem nicht zwangsläufig bedeuten muss, dass der betrogene Partner nicht mehr geliebt würde. Das mag uns naturgemäß schwerfallen, und meist werden wir es wohl auch weder einsehen wollen, noch macht es die Sache für uns angenehmer - doch von unserem Wunsch nach Treue allein ändert sich nicht die menschliche Natur. Die plakative Verunglimpfung der Täter und deren wortgewaltige Verfluchung mag für uns befreiend wirken - die menschliche Natur bleibt dieselbe. Auch wenn wir es noch so sehr leugnen, "weil nicht sein kann, was nicht sein darf".

In einem Interview mit der Süddeutschen hat der Wiener Wissenschaftler Karl Grammer es einmal so ausgedrückt: "Wer sagt, dass das Zusammenleben von Mann und Frau glücklich sein muss? Glück ist keine Kategorie der Evolution. Die Natur kennt keine Romantik. Die Natur kennt nur das Überleben des Stärksten."

In diesem Sinne.
 

 

Beate Uhse Rabattaktion - sexy online Shopping

 

Thema: Ehebruch

 

Meldungen, die Sie ebenfalls interessieren könnten: